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Gemeinde Feldkirchen  |  E-Mail: rathaus@feldkirchen.de  |  Online: http://https://www.feldkirchen.de

Der 1. Bürgermeister Werner van der Weck

Bürgermeister

Grüß Gott liebe Bürgerinnen und Bürger,

 „Europa ist eine Krankengeschichte von Irren“ …

 … dieser Satz des deutschen Dichters Gottfried Benn mag zwar gewagt sein; doch man könnte ihm sogar zustimmen, wenn wir uns die Verbrechen, die vielen Kriege unter (Nachbar)-ländern, manchmal verbunden mit unvorstellbaren Grausamkeiten, ins Bewusstsein rufen, die in den letzten Jahrhunderten auf unserem Kontinent viel Leid über die Menschen brachten. Aber ich halte es gerade auch für die größte Leistung der Europäischen Union, dass aus Feinden Nachbarn geworden sind. Nachbarn, die nicht immer einer Meinung waren und sind, die sich aber nicht mehr bekriegen, sondern den Dialog suchen. Die Nachrichten sprechen jeden Tag vom Machtkampf der Großmächte Amerika, China und Russland. Ein Gegen- statt Miteinander kann jedoch immer nur die falsche Wahl sein. In diesem Zusammenhang müssen wir uns einmal vor Augen halten, wie lange es in Europa mit Ausnahme von Kämpfen in Jugoslawien und in der Ukraine keine kriegerischen Auseinandersetzungen gegeben hat. Es mag viele Dinge geben, die an der Europäischen Union reformbedürftig sind. Aber eines ist unbestritten: Im vereinten Europa herrscht seit mehr als 70 Jahren Frieden. Ein hohes Gut, dessen wir uns bewusst sein sollten!


Völkerverständigung ist der Kitt Europas. Die Länder Europas sind dadurch in den vergangenen Jahren immer weiter zusammengewachsen. Wir glaubten uns auf einem guten Weg. Umso besorgter macht es nicht nur mich, dass die Idee der europäischen Gemeinschaft seit einiger Zeit gehörigen Gegenwind erfährt. Der Glaube an ein vereintes und offenes Europa, der doch alle Mitgliedsländer einmal beflügelt hat, scheint zu schwinden. Stattdessen macht sich EU-Skepsis bis hin zur unverhohlenen Ablehnung breit. Ja, es stimmt: Unsere Welt ist unübersichtlich und auch unberechenbarer geworden. Kriege, Terror und Flüchtlingsschicksale rücken nah an uns heran.

Doch so nachvollziehbar die Ängste und Sorgen sind: Für mich ist das trotzdem eine paradoxe Entwicklung, weil im Kleinen, auf der Ebene der Kommunen wir doch längst zusammengerückt sind; wir haben Grenzen und Schlagbäume überwunden – auch in unseren Köpfen.


Denn bei aller Kritik: Zum europäischen Einigungsprozess gibt es keine Alternative! Kein europäisches Land, und sei es noch so einflussreich, kann den Herausforderungen der modernen Welt allein begegnen. Eine Nation im Alleingang würde in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, denn jeder einzelne europäische Staat hat für sich allein zu wenig Gewicht, um seine Ziele umzusetzen. Aber die EU hat Gewicht, um den immer internationaler werdenden Konflikten oder der wirtschaftlichen Globalisierung zu begegnen.


Wie die europäischen Nationen zusammenwachsen können, sieht man zum Beispiel bei den Städtepartnerschaften, wie sie bei uns mit Rietschen und Bisignano entstanden sind: Nach der Wende begann, initiiert durch Rietschener Bürger, ein reger Austausch an Wissen (wie baut man eine funktionierende Verwaltung auf, wie organisiert ihr euren Bauhof), Material (brauchbare Computer waren willkommen) und Besuchen – man hilft sich und lernt andere Menschen und Mentalitäten kennen. Auch als Menschen aus Bisignano vor Jahrzehnten in Feldkirchen ankamen und Arbeit fanden, war das der Beginn einer Partnerschaft, die, quer durch ganz Europa, zwei Gemeinden verbinden sollte. Viele Bürger aus Bisignano sind heute Mitglieder unserer Gemeinde und seit Bestehen beider Partnerschaften werden gegenseitige Besuche durchgeführt. Wir haben im persönlichen Kontakt erfahren, dass wir bei aller Verschiedenheit viele Werte teilen. Und so gelingt es am besten: aufeinander zugehen, offen sein für andere Menschen und deren Lebensweise. Enge, freundschaftliche Beziehungen, wie unsere drei Gemeinden sie pflegen, sind der beste Garant, dass das auch in Zukunft so bleibt.

 

Und ich bin überzeugt: Auch andere große Herausforderungen können wir besser gemeinsam als im Alleingang bewältigen: Dazu gehört allem voran die Verteidigung unser freiheitlichen Demokratie. Ob Naher Osten, USA oder Türkei: Wir erleben gerade an vielen Schauplätzen dieser Welt, dass Werte wie Presse- und Meinungsfreiheit, Pluralismus oder Toleranz mit Füßen getreten werden. Sollten wir, sollte Europa da nicht gerade für unsere Grundüberzeugungen besonders eng zusammenstehen – statt sich wieder spalten zu lassen? Europäer zu sein, bedeutet nicht, seine Heimat zu verleugnen – im Gegenteil. Es bedeutet, die Unterschiedlichkeit und den kulturellen Reichtum Europas miteinander zu teilen. Wie die Menschen in unseren Gemeinden Feldkirchen, Rietschen und Bisignano sich als Deutsche bzw. Italiener empfinden – und auch als Europäer.


Liebe Bürgerinnen und Bürger, ich wünsche uns allen, dass wir uns dieses europäische Wir-Gefühl auch in den nächsten Jahren bewahren. Lassen Sie uns eine große Idee nicht preisgeben, sondern lassen Sie uns weiter daran arbeiten, dass ein Europa in Vielfalt Wirklichkeit bleibt.


Ihr
Werner van der Weck
Erster Bürgermeister

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